MTV Mitgliederversammlung am 2. September 2021

Bitte beachten:

Für die Teilnahme gilt die 3G-Regel:

geimpft, genesen oder negativ getestet, zu belegen per Nachweis auf dem Handy oder auf Papier.

Mitgliederversammlung

Der Verein Maritime Tradition Vegesack NAUTILUS e. V. lädt seine Mitglieder für Donnerstag, den 02. September um 19:00 Uhr in die Schützenhalle Farge, Betonstr. 49, ein.

Für alle – die mögen – gibt es ab 18:00 Uhr die Gelegenheit zu einem kleinen Imbiss.

Es sollen coronabedingt die Geschäftsjahre 2019 und 2020 abgeschlossen werden.

Außerdem muss der Vorstand neu gewählt werden.

Thomas Rutka

‚Vegebüdel‘ auf der ‚Lütten Sail‘ in Bremerhaven

Weserfahrt nach Bremerhaven
„Vegebüdel“ zu Besuch bei den Maritimen Tagen
Einen Ausflug der besonderen Art erlebten einige Crew-Mitglieder der Vegebüdel, als sie an Bord ihrer Barkasse einen Trip zu den „Maritimen Tagen“ nach Bremerhaven absolvierten.
Dieter Meyer-Richartz sorgte mit seiner Idee dafür, dass die Planung für den Ausflug umgesetzt wurde und studierte den Tidenkalender, denn der alte Deutz-Diesel sollte die Fahrt möglichst mit Unterstützung der Weser-Strömung bewältigen. Am 12. August waren die Voraussetzungen günstig und um 8Uhr morgens machte sich die Crew auf den Weg. Die Fährbesatzungen rieben verwundert die Augen, als die „Vegebüdel“ sich frühmorgens mit einem fröhlichen „Tuuut“ weserabwärts in Fahrt setzte.
Vor Brake wurde an Bord ein zünftiges Frühstück angeboten, die Crew-Mitglieder hatten alles dabei und die Stimmung war ausgelassen fröhlich. Ein zusätzlich positiver Aspekt war das Wetter, denn bei Temperaturen um 25 Grad und Sonnenschein blieben keine Wünsche offen. Schon nach 2 Stunden Fahrt waren erste Umrisse der Hafenbauten in Bremerhaven zu sehen und die Spannung, ob man in den Neuen Hafen einfahren kann, war deutlich spürbar. Die Masten der zahlreichen Großsegler wie Dar Mlodziezy, El Galeon, Artemis, Lissy aus Elsfleth und nicht zuletzt die Alex II sowie viele andere hießen die Gäste willkommen. Die BV 2 war bereits auf Gästefahrt unter Segel auf der Weser unterwegs und grüßte die Vereinskollegen vom MTV Nautilus mit einem munteren Signal.
Dann war es amtlich, die „Vegebüdel“ fuhr durch die Sportboot-Schleuse tatsächlich souverän in den Neuen Hafen ein und fand einen Liegeplatz im Schatten der „Wal“, ein Dampf-Eisbrecher von 1938, der hier beheimatet ist und als Museums-Schiff auch Gästefahrten anbietet. An der Seite des einstigen Dienstbootes des Hafenarztes „Quarantäne“ machte die Barkasse schließlich fest und ermöglichte der Besatzung wahrhaftig den Besuch der Festmeile in Bremerhaven. See – und Sehleute schlenderten durch die Budenstadt, die coronabedingt nicht überfüllt war. Reger Austausch mit den anderen Besatzungen und ein Eis, heiße Würstchen an Bord und dann ging es wieder zurück.
Für den Rückweg in die Weser wählte die Crew diesmal die Kaiserschleuse, die auch von größten Autotransportschiffen passiert werden kann – ein Erlebnis für die Freizeitskipper!
Ein letztes „Tuuut“ und ab ging‘s – mit auflaufendem Wasser – Richtung Vegesack. Kurz hinter Sandstedt kippte die Tide und der Diesel stampfte danach gegen das ablaufende Wasser Richtung Heimathafen – kein Problem für die „Lissy“, wie der Antrieb der „Vegebüdel“ von der Crew liebevoll genannt wird.
Einfahrt in den Vegesacker Hafen gegen 20.30 Uhr – ein langer Tag für die Mannschaft, aber auch ein unvergessliches Erlebnis.
Brigitte Aschemann

Lighthouse- and Lightship Weekend

Einmal um die ganze Welt – MTV Nautilus und die Ortsgruppe Vegesack des Deutschen Amateur-Radio-Clubs gehen zum International Lighthouse and Lightship Weekend wieder gemeinsam auf Sendung

Schon der erste Versuch, im Jahr 2017, erinnern alle Beteiligten als gelungenen Auftakt einer andauernden Kooperation. MTV Nautilus und die Ortsgruppe Vegesack des Deutschen Amateur-Radio-Clubs hatten sich zusammengetan und auf dem MTV-eigenen Schlepper ‚Regina‘ eine auch Besuchern zugängliche Funkstation eingerichtet. Was konnte näher liegen als das weltweit jährlich begangene International Lighthouse and Lightship Weekend als Auftakt für den Beginn einer seither konsequent vertieften Zusammenarbeit. Auch in 2021 setzen die Akteure beider Vereine auf ein erweitertes Miteinander am 21. und 22. August. Einbezogen werden, neben dem Stammsitz der Funker auf der ‚Regina‘, die Signalstation an der Weserpromenade und das alte Oberfeuer Lemwerder, auch als ‚Der schwarze Leuchtturm‘ bekannt. Der Hintergrund für diese Entscheidung: Auch die drahtlose Kommunikation zwischen Schiffen und Land/See ist längst Bestandteil der von beiden Vereinen gepflegten maritimen Tradition. Aus dem Grund bieten MTV und DARC am auf das dritte Augustwochenende terminierten International Lighthouse and Lightship Weekend Besuchern die Gelegenheit, Einblick in die unter den Rufzeichen DK0MTR und DK0MTS betriebenen Kontakte zu nehmen. Die Signalstation und die Funkstation auf der ‚Regina‘ öffnen an beiden Tagen von 11 bis 17 Uhr für die interessierte Öffentlichkeit. Voraussetzung für einen Besuch ist, neben der erwiesenermaßen vorhandenen Neugierde, die Einhaltung der dann gültigen Pandemie-Regularien.

Gerald Sammet

Wasserwelten: Spuren einer verlorenen Zeit

Statt Klönrunde: Monoklönatische Handreichung Nr. 12, Juli/August 202

Wasserwelten: Spuren einer verlorenen Zeit – Der Bremer Geograf Johann Georg Kohl und sein Blick auf das schwimmende Waakhauser Lan

Um den Bestand von Platanen auf dem Deich, der die Bremer Neustadt abschirmt, wird seit Monaten erbittert gestritten. Seitens der Senatsverwaltung sind die Bäume verzichtbar. Diejenigen, die für ihren Erhalt eintreten, sehen in ihnen ein in den städtischen Raum eingefügtes, erhaltenswertes Naturelement. Letztlich geht es in der Auseinandersetzung um die Frage, wie künftig Hochwasserschutz an der Stelle gewährleistet werden sollte.

Lebten wir nicht in Zeiten von alternativen Fakten nach jeweils eigenem Ermessen, müssten die Kontrahenten eigentlich an den Gegebenheiten orientiert analytisch vorgehen. Denn: Erstens handelt es sich bei Platanen nicht um eine heimische Spezies, sondern um eine vom deutschen Hochadel im 18. Jahrhundert als Ziergehölz für seine höfischen Gärten und Parks eingeführte Art. Zweitens zählt es zu den Eigenheiten von Platanen, dass sie jahreszeitlich bedingt vor allem für Allergiker abträglichen Haarstaub absondern. Das Krankheitsbild ‚Platanenhusten‘ hat daher Eingang in die meisten medizinischen Lehrbücher gefunden. Drittens befinden sich die Neustädter Platanen auf der Krone eines Deichs, also einem technischen Bauwerk. Sie sind daher nicht Bestandteil eines Naturraums, sondern Elemente einer künstlichen Wasserschutzkonstruktion.

Nun hat es mit dem, was sie für Natur halten, bei den Deutschen eine besondere Bewandtnis. Diese ist, worin sie sich von ihren Nachbarn signifikant unterscheiden, durch und durch romantisch grundiert. Mit dem Aufbau der Neustadt durch niederländische Wasserbauer im 17. Jahrhundert verbunden war der erste massive Eingriff in die ursprünglichen Überflutungsgebiete der Weser. Der Prozess, der sich mit weiteren Deichbaumaßnahmen sowie der Abriegelung der Mittelweser und der Nebenflüsse fortsetzte, hat den Tidenhub im Bremer Raum weit mehr verändert als noch gar nicht vollzogene Weservertiefungen durch Baggerarbeiten. Selbst die ach so paradieisch anmutende Weserinsel Harriersand ist letztlich ein Abfallprodukt diverser Weserkorrektionen.

Naturräume und Kulturlandschaften mögen, nach den in Deutschland verbreiteten Lesarten, Schnittmengen aufweisen. Ein Beispiel: Der gern als Natur pur angesehen Bremer Bürgerpark, der seine Existenz einem massiven Eingriff in das dort vorhanden gewesene Marschland verdankt. Wobei dieses Marschland letztlich auch nur eine, sh. Bürgerweide, intensiv genutzte Agrarlandschaft war. Im Marschboden finden Bäume einfach zu wenig Halt. Nicht ohne Grund finden sich Baumbestände im Marschland fast durchweg am Rand der Dämme der mit Sand und Kleie aufgeschütteten Straßen.

Eine der am schwersten wiegenden Maßnahmen, mit denen das Ausbreitungsgebiet der Weser beschnitten wurde, war und bleibt die heute als Naturschutzgebiet unter der Kennziffer LÜ 312 ausgewiesene Niederung der Hamme. Mit dem 1876 mit dem Bau der Ritterhuder Schleuse vollzogenen Stau und der vollständigen Eindeichung des Flüsschens Wümme ging eine Wasser-Wunderwelt von einzigartigem Zuschnitt verloren. Sieben Flussschleifen wurden durchstochen mit dem Ziel, den Fluss zu einem Teil des Schifffahrtswegs Hamme-Oste-Kanal umzugestalten. Heute genießt diese künstliche Wasserstraße höchstes Ansehen ihrer vermeintlichen Natürlichkeit wegen. Aus eben diesem Grund wird sie nicht mehr befahren und wurde durch eine viel zu niedrige Brücke vor Worpswede (Neu Helogland) blockiert.

Entschwunden ist auf diese Weise das Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Bremer Geografen Johann Georg Kohl bereiste und beschriebene Waakhauser Land. Eine Moorlinse, beziehungsweise ein Geflecht solcher schwebenden Elemente, über halbwegs festem Sandgrund. Ein Terrain, das sich im Gang der Jahreszeiten und Tidebewegungen senkte und hob, mitsamt den auf ihr vorhandenen Äckern und Wiesen und sonstigem Bewuchs. Sie bescherte den auf ihr siedelnden Bewohnern ein erträgliches Auskommen, und konstant nasse Füße dazu.

Besser, man lässt an der Stelle Kohl beschrieben, wie sich das Leben in diesem Feuchtgebiet abspielte: „Die Differenz zwischen dem niedrigsten Wasserstande im Sommer, bei welchem das meiste Land in Waakhusen fest auf dem Boden ruht, und dem höchsten Wasserstande, bei welchem fast alles schwimmt und treibt, wie Sahne auf der Milch, beträgt 10 Fuß und mehr und so hoch also können denn auch die Aecker, und die auf ihr stehenden Bäume über ihren gewöhnlichen Standpunkt hinausgehoben werden. Steigen die Aecker und Gehölze umher, wie es mitunter geschieht, sogar 12 Fuß und mehr so verändert sich dabei die ganze Physiognomie des Landes. Die Häuser auf ihren festen Sandhügeln liegen dann tief und die Gärten und Äcker schwimmen hoch aufgetrieben um sie her und man erhebt sich zu ihnen vom Hause aus auf Stegen und Leitern. – So lange das Wasser in den Wohnungen noch leidlich niedrig steht, behelfen sie sich erst auf allerlei Weise. Sie machen für das Vieh im Stalle ein hohes Brettergerüst, auf das sie die Kühe wie auf einer Tribüne hinauftreiben. Zuweilen fahren sie auch wohl mit einem großen Schiffe in die weite Haustenne hinein, binden dasselbe an die Balken an, und machen aus dem Schiff, indem sie das Vieh hineinbringen, einen temporären Stall. Auch für ihr Herdfeuer mitten im Hause construiren sie ein hohes Brettergerüste, bedecken dasselbe mit Sand und zünden dicht über dem Wasserspiegel die häusliche Flamme an. Zuweilen hängen sie auch wohl einen großen Braukessel an eine Kette über dem das Haus füllenden Wasser auf, und machen in ihm das Feuer an. Sie selber hausen und schlafen auf dem Boden, steigen auf Leitern zu dem Feuerherde und Vieh in der Haushalle, die zu einem Wasserkeller geworden ist, hinab.“ (Johann Georg Kohl. Nordwestdeutsche Skizzen.Fahrten zu Wasser und zu Lande in den unteren Gegenden der Weser, Elbe und Ems. Bremen:Verlag von J. Rüthmann’s Buchhandlung 1864.S. 211 f.)

Auf vergleichbare Weise verfährt der im übrigen weltgewandte, vor allem Russland, Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika verbundene Geograf Kohl mit dem Teufelsmoor, dem „Blockland bei Bremen“ und zahlreichen weiteren Orten und Überlieferungen in der Nordwestregion. Wäre das Waakhauser Land wenigsten in seinen Grundstrukturen (und nicht in seinen eher ungesund wirkenden Lebensgrundlagen) erhalten geblieben, es hätte, nach heutiger Sichtweise, das Zeuge zum Weltkulturerbe. Hätte man nicht, um ihm den Garaus zu machen, die Ritterhuder Schleuse errichtet, als Zugang zum Hamme-Oste-Kanal, den seit dem Jahr 1911 als weiteres technisches Bauwerk die Brücke der Kleinbahn Bremervörde – Osterholz überspannt. Auch der auf ihr verkehrende Moorexpress ist mit romantischen Empfindungen über Gebühr behaftet. Wie die Neustädter Platanenkultur, zu der einem, nimmt man derlei angebliche Naturerscheinungen genauer in Augenschein, nur dieser Stoßseufzer einfällt: „Ausgerechnet Platanen!“

Gerald Sammet