S.M.S Wolf

Statt Klönrunde: Monoklönatische Handreichung Nr. 6

Zweimal um die ganze Welt. Die Kaperfahrt der S.M.S. >Wolf<

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kamen der weltweit größten Frachtreederei, der in Bremen beheimateten Deutschen Dampfschiffahrts-Gesellschaft >Hansa<, gleich mehrere ihrer Schiffe abhanden. Die >Frankenfels< in Kalkutta, die >Rappenfels< vor Colombo, die >Schneefels<, auf dem Weg von Kalkutta nach New York, schaffte es bis in die Straße von Gibraltar. Dort wurde sie von einem britischen Torpedoboot aufgebracht. Insgesamt verfügte die DDG >Hansa< über sieben Frachtschiffe eines Typs mit sämtlich auf >…fels< endenden Namen: >Frankenfels<, >Greiffenfels< und >Sonnenfels<, in Bremen auf der AG Weser gebaut, die >Solfels<, bei Tecklenborg in Geestemünde errichtet und die >Wachtfels<, 1913 von der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft aufgelegt. Die >Rappenfels<, der Reederei vor Colombo abhanden gekommen, war auf den Helgen des Bremer Vulkan entstanden. Jedes der sistierten DDG-Schiffe überstand zunächst Krieg und Beschlagnahme. Lediglich die Ladungen gingen verloren.

Die >Wachtfels< allerdings schrieb, nicht unbedingt zur Erbauung ihrer Betreiber, zwischen 1916 und 1918 Seefahrtsgeschichte. Nicht als Frachtschiff freilich, sondern als Hilfskreuzer der kaiserlichen Marine, für das Geschäft mit der Kaperfahrt ausgerüstet, unter dem dafür wohl als passender empfundenen Namen S.M.S. >Wolf<. Zur Grundausstattung gehörte auch ein per Katapultstart einsetzbares Bordflugzeug, sinnigerweise >Wölfchen< genannt. Es diente dem Aufspüren von im Umfeld der >Wolf< operierenden Schiffen gegnerischer oder neutraler Nationen. Mit Schwimmern für Landungen auf dem Wasser ausgerüstet, hievte ein Kran das Luftfahrzeug zurück an Bord der >Wolf<.

Die große Reise beginnt am 30. November 1916. Aus dem Skagerrak kommend, läuft die >Wolf< unter dem Kommando von Fregattenkapitän Karl August Nerger zunächst nach Norden, um an Island vorbei über die Dänemarkstraße in den südlichen Atlantik vorzustoßen. An Bord: Der Bootsmannsmaat Jakob Kinau, Bruder der Schriftsteller Rudolf und Johann Wilhelm Kinau von der Elbinsel Finkenwerder, letzterer schon zu der Zeit besser bekannt als Gorch Fock. Ebenfalls, als Oberheizer, ein Mitglied der 348-köpfigen Besatzung: Der 1892 in Berlin geborene Theodor Otto Richard Plivier, eine aus der Handelsmarine kommende Abenteurernatur. Er wird seine Zeit auf der >Wolf< später in dem 1929 erschienenen Roman Des Kaisers Kulis nachempfinden.

Im südlichen Atlantik angekommen, werden dort vor Kapstadt und nach der Weiterfahrt durch den Indischen Ozean vor Bombay und Colombo Minen gelegt. Im Mai und Juni 1917 lässt Kapitän Nerger das Schiff vor der unbewohnten neuseeländischen Insel Raoul überholen. Aus dieser Zeit datiert die Übernahme zweier Prisen, der neuseeländischen >Wairuna< und dem unter US-Flagge segelnden Viermastschoner >Winslow<. Nach Übernahme der brauchbaren Teile der Ladung werden beide Schiffe versenkt, die Besatzungen zuvor an Land eskortiert.

Am 26. September 1917 gerät dank >Wölfchen< der japanische Dampfer >Hitachi Maru< in Reichweite der >Wolf<. Das Schiff, geführt von Kapitän Seizu Tominaga, setzt sich zur Wehr und wird daraufhin von Nerger mit schwere Zerstörungen hervorrufendem Geschützfeuer vor allem auf seiner Brücke bedacht. Kapitän Tominaga entzieht sich im Februar 1918, schon auf der Rückfahrt der >Wolf< im Nordatlantik, der Überführung ins deutsche Kaiserreich durch einen Sprung über Bord. Er habe, bekundet er in einem Abschiedsbrief, Unglück über seine Besatzung und deren Familien gebracht und sein Schiff auf ehrenrührige Weise an den Gegner verloren.

Insgesamt finden sich 35 überwiegend britische Schiffe auf der Liste der Opfer der >Wolf<, angefangen vom britischen Dampfer >Matheran< am 26.  Januar 1917 vor Kapstadt und zuletzt der neuseeländischen >Wimmera< am 26. Juni 1918. Beiden Schiffen, und zahlreichen weiteren, wurden die von der >Wolff< gelegten Seeminen zum Verhängnis. Nach 451 Tagen, und einer Kurslänge vom zweieinhalbfachen des Erdumfangs, erreicht die >Wolf< im Februar 1918 Kiel. Die längste Feindfahrt des Ersten Weltkriegs ohne jede Unterstützung von außen, wie der Öffentlichkeit mitgeteilt wird. An Bord, außer Prisengut, 467 Kriegsgefangene. Deren Versorgung und die der Besatzung hatte man, wie die Beschaffung von Kohle, ausschließlich aus den Beständen der aufgebrachten Prisen gesichert. Die Rückkehr der >Wolf< wird im Reich gefeiert wie ein den Krieg entscheidender Sieg. Kapitän Nerger wird mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet, die gesamte Besatzung bedenken Kaiser und Marineleitung mit dem Eisernen Kreuz.

Der Krieg freilich ist zu dem Zeitpunkt längst verloren. Der Mannschaft des Schiffs, das 400 Tag nicht einen Hafen anlief, fehlt es außerdem am nötigen Stolz. Der Oberheizer Theodor Plivier wird sich im Herbst des letzten Kriegsjahrs in Wilhelmshaven dem dortigen Matrosenaufstand anschließen. Karl August Nerger, den er in seinem Roman Des Kaisers Kulis mit wenig Sympathie als ausgesuchten Leuteschinder umreißt, wird zwar noch zum Kommandeur der Vorpostenboote in der Nordsee berufen. Die >Wolf< operiert noch für kurze Zeit als weiterhin Hilfskreuzer in der Ostsee, bevor man sie, im Zuge der Kriegsreparationen, als von 1921 an >Antinous<  an Frankreich mit Heimathafen Dünkirchen ausliefert. 1931 gelangt sie nach Italien und wird dort abgewrackt.

Kapitän Karl August Nerger verhilft man 1919 zum Titel eines Konteradmirals der nun nicht mehr kaiserlichen Marine. Wiewohl nicht aktiv ins Kriegsgeschehen des Zweiten Weltkriegs involviert, wird er von den sowjetischen Besatzungsmacht im August 1945 als „Angehöriger der Abwehr“ inhaftiert und im reaktivierten, ehemaligen nationalsozialistischen Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Dort endet sein Leben, in Haft, im Januar 1947. Den gewesenen Oberheizer und Abenteurer Theodor Plivier führt seine Umtriebigkeit über die Lebensreformbewegung und esoterische Spielereien bis in die Schlacht von Stalingrad und, dieser lebend entkommen, in die Arme kommunistischer Zirkel. Nicht Des Kaisers Kulis, sondern sein Roman Stalingrad wird zu seinem berühmtesten Buch. Launisch von seinem Naturell her, entsagt er auch dem dogmatischen Kommunismus und wechselt 1947 aus der sowjetischen nach Hamburg in die britische Zone. Zuvor hatte er sich in Weimar, in Sichtweite des Konzentrationslager Sachsenhausen, als Verleger und Repräsentant der dortigen Kulturschaffenden niedergelassen. Am 12 März stirbt er in seinem Rückzugsort Avegno im Tessin.

Dem Bootsmannsmaat Jakob Kinau, Bruder von Gorch Fock, verdanken wir ein weiteres, die Reise der >Wolf< dokumentierendes Werk: Adjutant des Todes. Wolfs-Tagebuch, erschienen 1934, mehr als fünfzehn Jahre nach der Rückkehr der >Wolf<. Kinau avanciert einerseits zum Herausgeber der Werke seine Bruders Gorch Fock. Andererseits erwirbt er seinen Lebensunterhalt als Zollinspektor in seiner Heimatstadt Hamburg, wo er 1965 verstirbt.

Gerald Sammet

 

DARC

Rufzeichen unter schwierigen Umständen – DARC macht seine Funkstation auf dem Schlepper Regina an der Maritimen Meile in Bremen-Vegesack wieder öffentlich zugänglich

Mundschutz und Mikrofon, mögen sich einige in den Zeiten von Corona gefragt haben: Geht das überhaupt? Zunächst, in den Zeiten von Lockdown und Kontaktbeschränkungen, sah es nicht danach aus. Beengte Verhältnisse an Bord des ehemaligen Hafenschleppers, das Fehlen eines durchdachten Hygienekonzepts, die geringe Bereitschaft beim potenziellen Publikum, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen, die, im Umfeld der Funkstation, nicht mehr funktionstüchtige, wenn überhaupt noch vorhandene Gastronomie. Alles Umstände, die gut dazu hätten beitragen können, die Regina zu einem Geisterschiff werden zu lassen.

Den zwei die Regina tragenden Vereinen, dem Deutschen Amateur-Radio Club, Ortsgruppe Vegesack, und dem MTV Nautilus als Eigner, konnte das, wie sich denken lässt, nicht genügen. Mit mehr als ein paar Handgriffen sorgten sie für Abhilfe und den Erhalt der Funktionstüchtigkeit der Station: Überprüfung und Wartung der Antennenanlagen, Reinigung der Innen- und Außendecks, Befreiung des Schiffsrumpfs von Wildkräuterbewuchs und vor allem, worüber eigentlich nur Kreuzfahrtschiffe verfügen: Einbau eines Spenders für die derzeit an Orten mit Publikumsverkehr obligatorische Handdesinfektion. Freiwillige Arbeitseinsätze der DARC-Crew im Juli, die erste Öffnung für Besucher dann am im August. Die Hitzewelle am Anfang dieses Monats entschleunigte das Geschehen auf eine durchaus nicht unwillkommene Weise.

Von „business as usual“ zwar noch weit entfernt, gelang es gleichwohl, selbst beim International Lighthouse/Lightship Weekend am 22. und 23.8 auf fast schon gewohnte Weise mitzuhalten. 38 Verbindungen kamen zustande, am Sonntag vor Augen und Ohren zum Schiff geeilter Besucher. Auch in der Umgebung des Schleppers sorgten, angeregt vom Ortsamt und dem MTV Nautilus, einige Anbieter von Imbisswaren für ein maritimes Ambiente. Bratwurst, Fischbrötchen, Eis mit Sahne  und Funk, das geht problemlos zusammen. Auch die Barkasse Vegebüdel des Vereins zieht mittlerweile immer wieder sonntags in Sichtweite auf der Weser ihre Kreise. In ihrem siebzigsten Jahr, mit der Hälfte der Passagiere, die eigentlich transportiert werden könnten. Auskünfte zum Fahrplan sind unter 0421-958 67 86 erhältlich, Anmeldungen für die Fahrten über diese Nummer oder vegebuedel@mtv-nautilus.de ausdrücklich erwünscht.

Ein Wermutstropfen allerdings bleibt: Während die Crew der Vegebüdel noch über eine halbwegs komfortable Personaldecke verfügt, liegt dem Team der Funkstation des DARC auf der Regina sehr daran, neue Mitstreiter zu gewinnen. Technisches Interesse, Einsatzfreude und ein bisschen Gespür für das, was in der internationalen Kommunikation Funkdisziplin genannt wird: Voraussetzungen, die eigentlich alle erfüllen, die es in die weite Welt hinaus zieht. Wofür derzeit ansonsten nur wenige Möglichkeiten bestehen. Die drahtlose Kommunikation verfügt, was das angeht, über ein ganz eigenes Potenzial. Interessenten erwartet ein engagierter, sachkundiger und umgänglicher Verein von ausgewiesenen und langjährig aktiven Enthusiasten. Ansprechpartner für REGINA und Clubstation: Jens Knorr: email dk0mtr@darc.de / 0172 4107960.

 

Mitgliedsbeiträge

Die Jahresbeiträge ab 2020 betragen

87,00 EUR für Erwachsene (Einzelperson)

44,00 EUR ermäßigt für Jugendliche, Azubis usw.

145,00 EUR für Familien

MTV sucht Lagerplatz

Zwei Schiffe müssen unters Dach – MTV Nautilus sucht Lagerplatz für seine Ausbildungsfahrzeug

Manchmal kommt es bei der Pflege und dem Erhalt der maritimen Tradition doch nicht nur auf die Frage an, ob sich die Anwesenheit eines Segelfahrzeugs mit dem Anblick eines noch nicht einmal gebauten Hochhauses verträgt. Auch weitaus kleinere Anliegen können sich als gewichtig erweisen. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Schiffe und die ihnen zugehörigen Utensilien sachgerecht unterzustellen. In einer solchen Situation befindet sich derzeit der MTV Nautilus, dem für seine beiden Ausbildungsschiffe, die Jugendkutter >Vegefeuer< und >Vegevogel< sowie Trailer, unversehens ein Lagerplatz fehlt. Die Halle, in der die Schiffe untergebracht werden, erwies sich als einsturzgefährdet. Nach einem neuen witterungsgeschützten, ungefähr 60 m² umfassenden Lager wird daher dringend gesucht. Nicht zuletzt, weil mit Hilfe der beiden Boote maritimes Wissen und die dazu gehörigen Fertigkeiten an die junge Generation weitergeleitet werden, auf, bei aller Ernsthaftigkeit dieses Bemühens, auch spielerische und unterhaltsame Weise. Für die Suche nach einem Lagerplatz oder einer Halle wünscht sich der MTV Nautilus daher den Beistand möglicher, in maritimen Angelegenheiten engagierter Unterstützer. In Frage kommende Objekte sollten im Raum Bremen-Nord liegen und, was ihre Nutzung angeht, faire Konditionen für eine Ingebrauchnahme bieten.   Für Austausch und Information zur Sache steht der  1. Vorsitzende des MTV Nautilus, Thomas Rutka, gerne zur Verfügung (Tel. 0171 / 193 37 81 oder Mail thomasrutka@t-online.de ).