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MTV Klönschnack – Unterweser Kahnschiffer @ NAUTILUSHAUS
Jun 21 um 19:00 – 21:00

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Neues aus dem MTV Nautilus

Ausgabe 6 – 17. Mai 2018

 

Flach und platt gesellt sich gern – Aufstieg und Niedergang der Unterweser-Kahnschifferei. Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 21. Juni 2018 im Nautilushaus am Museumshaven in Bremen-Vegesack

Ausgestorben: Was Tierarten zustoßen kann, gilt auch für Schiffstypen jeder Bauweise und Beschaffenheit. Wie in der Natur erfüllt auch auf dem Gebiet von Technik und Ingenieurkunst jede Spezies ihren eigenen Zweck. Hat der sich erledigt, heißt es abtreten, mit vielerlei Folgen. Manche technische Spezies lässt schon von ihrem Namen her an Vorgänge im Tierreich denken. Der Ewer beispielsweise ist, nach lexikalischer Definition, ein vom niederländischen Friesischen herrührender envarer, ein Einfahrer also, mit ursprünglich einem Mann Besatzung, ein Segelschifftyp auf Plattbodenbasis, mit Seitenschwertern ausgestattet, um die Abdrift zu mildern und zu nutzen. Für die Fahrt in flachem wie in zu flach gewordenem Wasser bestens geeignet. Im 19. Jahrhundert war der Ewer, von dem ca. 2 000 Exemplare existierten, das in Deutschland am meisten verbreitete Schiff. Im Jahr 1904 wurde auf einer Werft in Fünfhausen an der Unterweser das letzte dieser Schiffe gebaut.

Bremen wäre keine Größe im Seeverkehr mehr, hätte es diese Plattbodenschiffe nicht gegeben. Seit dem 16. Jahrhundert war die Weser so weit versandet, dass seegängige Schiffe die Hansestadt nicht mehr anlaufen konnten. Auch der Bau des ersten künstlichen Hafens in Deutschland in damals Fegesacke an der Lesummündung, zwischen 1618 und 1623, hatte keine wirksame Abhilfe nach sich gezogen. Er bot Stapelraum, Reparatur- und Liegeplätze und noch eine ausreichende Wassertiefe im Bereich der Mündungen von Lesum, Ochtum und Schönebecker Aue. Eine Zwischenstation für den auf Bremen gerichteten Warenumschlag, die, als die Weser auch stromabwärts versandete, mehr und mehr an Bedeutung verlor.

In dieser Zeit retteten die Plattbodenschiffe, Weserkähne genannt, die Bremer Kaufleute. Äußerlich recht unförmig anzusehen, mit überaus praktischen, wie ein Zelt aufliegenden Ladeluken, unter denen die Ware ohne größeren Aufwand gestaut werden konnte, erfüllten sie einfach ihren Zweck. Mit den Jahren wuchsen die Größe und das Einsatzgebiet dieser am Ende meist gaffelgetakelten Schiffe. Auch eine eigene menschliche Spezies, die Kahnschiffer, brachte dieser Schiffstyp hervor. Sie siedelten in Dörfern wie Flethe, Rönnebeck oder Dyllen, bevor diese Ortschaften an das ebenfalls in der Kahnschifferei tätige, seinerzeit königl.-hannoversche Blumenthal fielen. Die zumeist bärtigen, oft mit Tabakpfeifen bestückten und sich ganz und gar honorig gebenden Kahnschiffer bildeten, bevor die Industrialisierung einsetzte, eine sehr eigene Klasse. Mit der Weser-Korrektion von 1887 bis 1895 und der einsetzenden Schleppschifffahrt endete die einst so einträglich gewesene Kahnschifferei.

Was die Kahnschiffer waren, wie sie es wurden, was ihre Anwesenheit bewirkte und was von ihnen blieb, darum geht es bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 21. Juni 2018. Beginn um 19 h im Nautilushaus, Zum Alten Speicher 7 in 28759 Bremen. Vertreter des Heimatvereins Farge-Rekum, der in Bremen-Rekum das Kahnschifferhaus pflegt und betreibt, werden in der Runde anwesend sein. Präsentation und Moderation: Gerald Sammet