Untergang der München

Mit einem Schlag – Der internationale Seeverkehr 40 Jahre nach dem Verlust der >München< – Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 20. Dezember 2018 im NAUTILUSHAUS am Museumshaven in Bremen-Vegesack

Kaventsmänner soll es schon immer gegeben haben. Kaventsmänner, das sind Riesenwellen, die imstande sein sollen, ganze Schiffe mit Haut und Haar zu verschlingen. Monster, die durch die Erzählungen der Seeleute geistern, wie die Kunde vom weißen Mörderwal oder dem Riesenkalmar. Schöpfungen aus dem Reich der Legenden, bis sich irgendwann herausstellt, dass es sich dabei nicht um Seemannsgarn, sondern um real in und auf den Meeren vorhandene Tatsachen handelt.
Am 12. Dezember 1978, wenige Stunden nach Mitternacht, erreichen mehrere Notrufe das griechische Frachtschiff >Marion<, das sich, mit einer Getreideladung unter Deck, auf der Reise von Philadelphia nach Amsterdam nördlich der Azoren im in dieser Nacht ungewöhnlich stürmischen Atlantik befindet: „SOS SOS SOS DEAT DEAT DEAT Position 45o 30‘ N – 22o 20‘ W forward“ Delta Echo Alpha Tango ist das Rufzeichen des in Bremen registrierten LASH-Carriers >München< auf der Fahrt in Gegenrichtung zu der der >Marion<, von Bremerhaven nach Savannah (Georgia). Die in Leichtern gestaute Ladung der >München<: Maschinen und Stahl.
Eine bis zu dem Zeitpunkt nie dagewesene Such- und Rettungsaktion endet am 22. Dezember 1978 ohne jeden Erfolg. Ein Rettungsboot wird, schwer beschädigt und ohne Insassen, geborgen, außerdem mehrere der Leichter und eine Seenot-Signalboje, die sich 22 m über Deck der >München< befand und die sich nur, wie programmiert, automatisch ausgelöst haben kann. Das Schiff als Ganzes hingegen, 37 134 BRT, 28 Mann Besatzung, gilt als verloren. Mit dem nahezu spurlosen Verschwinden des Schiffs endet auch eine Episode der Schiffbaugeschichte.
LASH-Carrier (LASH = Lighter Aboard a Ship) sind Frachtschiffe, die separate, schwimmfähige Leichter ohne eigenen Antrieb beherbergen. Der Vorzug dieses Systems: Die Leichter können auch im Binnenverkehr auf Flüssen in Schubverbänden eingesetzt werden. Der Nachteil: Jeder Leichter bedarf eigener Stauung und Trimmung. Diese erfolgt nicht, wie bei konventionellen Umschlagtechniken, aus einer Hand. Das LASH-System wird als Alternative zum aufkommenden Umschlag von Standard-Containern angesehen. Nicht zum wenigsten der Verlust der >München< trägt dazu bei, dass es sich nicht durchsetzen wird.
Bis heute wird geglaubt, dass eine Monsterwelle, ein Kaventsmann, den Untergang der >München< herbeiführte. Weniger bekannt ist, dass es, von dieser durch Schadensanalysen gestützten Theorie abgesehen, zum Teil haarsträubende Unstimmigkeiten bei der Abwicklung des Notruf-Funkverkehrs gab und dass die LASH-Technik technische Mängel aufwies, an denen konsequent vorbeigeschaut wurde. Wie es zum Untergang der >München< kam und welches dieser Elemente dazu beigetragen haben könnte, darum geht es bei der Klönrunde des MTV Nautilus am Donnerstag, dem 20. Dezember 2018. Beginn um 19 h im NAUTILUSHAUS, Zum Alten Speicher 7 in 28759 Bremen. Präsentation und Moderation: Gerald Sammet.